Panic Attacks Message Board
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Whippie

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Reply with quote  #1 
Hallo !
Mein Name ist Evi und mir geht es sehr schlecht. Seit ich diese Seite entdeckt habe, komme ich mit den Panikattacken an sich besser zurecht. Allerdings der Allgemeinzustand ist so schlimm, dass ich fast am verzweifeln bin.
Tagsüber und auch privat schauspielere ich allen etwas vor und ich glaube, die meisten merken gar nicht, was in mir vorgeht. Vor zwei Jahren ist mein Bruder auf sehr schlimme Art und Weise gestorben. Ich mache mir Vorwürfe und konnte das noch nicht richtig verarbeiten. Seitdem versuche ich zu funktionieren und mein Inneres zu verbergen. Vielleicht bekomme ich jetzt die Quittung dafür. Seit über einem halben Jahr plagen mich extreme Krankheitsängste mit den schlimmsten körperlichen Symptomen und Schmerzen. Zuerst hat es sich aufs Herz manifestiert und ich dachte jeden Tag mehrmals, dass ich daran sterben werde (habe sogar Vorhofflimmern - nachgewiesen) wobei mein Herz an sich wohl gesund ist. Tägliche Panikattacken waren die Regel. Dann ging es irgendwie auf den Kopf über nachdem ich eine Attacke in einem Warenhaus hatte, bei der ich für ein paar Augenblicke völlig weggetreten war und fast umgefallen wäre. Daraufhin hat sich ein Dauerpanikgefühl entwickelt, dass sich wie ein Unwirklichkeitsgefühl und das Gefühl den Verstand zu verlieren festgesetzt hat. Ich war dann im Krankenhaus, weil ich dachte ich hätte evtl. einen leichten Schlaganfall gehabt. Die Untersuchung hat erstmal nichts ergeben. Seitdem habe ich seit mehr als einem halben Jahr keinen klaren Moment mehr gehabt. Ich lebe sozusagen in einer permanenten Panikattacke 24 Stunden am Tag. Mittlerweile kommen starke Gefühlsstörungen in den Gliedmaßen, starke Kopfschmerzen und Schwindel dazu. Vorhofflimmern setzt dem ganzen immer noch ein Krönchen auf. Außerdem habe ich heftige Verpannungen im Nackenbereich und auch über die Schultern. Das strahlt manchmal auf den Kopf aus wie ein eisener Helm.

Ich kann bald nicht mehr, der Leidensdruck ist so groß. Chemische Antidepressiva traue ich mich wegen diesen Herzrhythmusstörungen nicht nehmen und somit behelfe ich mir mit Johanniskraut Laif 900 seit ca. zwei Monaten.

Die schweren Panikattacken im Bus und unter Menschen kann ich mittlerweile irgendwie kontrollieren. Allerdings ist der Dauerzustand der sich daraus gebildet hat für mich ein so großes Problem. Ich kann an keiner Gesellschaft mehr teilnehmen, arbeiten oder allein zuhause sein ohne mich so furchtbar zu fühlen. Es ist ein Dauerzustand ! Am schlimmsten ist dieses Gefühl gleich den Verstand zu verlieren, ich habe massive Konzentrationsbeschwerden mittlerweile, ich kontrolliere mich selbst und wenn ich mich mal kurz nicht gleich orientieren kann, dann bekomme ich sofort höllische Panik, dass ich jetzt komplett blöd werde. In meinem Kopf herrscht ein unkontrolliertes Chaos. Wie in einem vollbesetzten Bus, wo sich alle auf einmal laut unterhalten und zwischendrin geistert noch irgendein Lied, dass sich eingebrannt hat und die gleiche Textzeile saust permanent durch meinen Kopf während ich versuche mich auf die Arbeit oder ein Gespräch zu konzentrieren.
Nebenbei habe ich Sehstörungen und ständige körperliche Symptome, die mich immer gleich auf schlimme Krankheiten schliessen lassen wie z.B. MS oder Hirntumor oder Schlaganfall oder Herzschwäche oder schwere Durchblutungsstörungen.
Hat jemand ähnliche Beschwerden und Erfahrungen? Wie kann ich mich nicht nur aus einer Attacke befreien, wie bekomme ich diesen permanenten schlimmen Zustand in den Griff? Bitte Hilfe, ich kann bald nicht mehr.

Liebe Grüße



jeff

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Reply with quote  #2 
Hallo Evi:
Ich denke, dass man tiefere Fragen von Konflikten haben. Wenn Sie in Konflikt sind, ist die Spannung größer. Habt Ihr schon mit einem Therapeuten? Angst und Konflikt sind zusammen. Panikattacken können herausgefordert werden, aber Angst ist schwieriger.

Es tut mir leid, mein Deutsch is schlecht aber vielicht andere LEUTEN kann Sie helfen.
 
Andere LEUTEN wo sind sie? 
Jeff
Whippie

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Reply with quote  #3 
Hallo Jeff, THANK YOU SO MUCH  for this site. Its very helpful and help me trough very bad times. My english ist not good enough to tell you my problem with all details. Hope some germans answer my post too.
But i understand what you mean. Thank you for your reply.

much love always
Evi

Whippie

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Reply with quote  #4 
Hallo, hier bin ich nochmal :-)

War diese Woche beim Blutabnehmen bei meiner Ärztin. Habe diesmal darauf bestanden, dass meine Schilddrüsenwerte überprüft werden. Und siehe da, ich habe eine Unterfunktion, die ziemlich heftig ist. Jetzt folgen weitere Untersuchungen und dann werde ich wohl mein Leben lang Hormone nehmen müssen um den Mangel auszugleichen. Wenn diese wirken, bin ich gespannt, ob sich auch die Panikattacken und diese Unwirklichkeitsgefühle zurück entwickeln. Ich hoffe es so sehr. Bis dahin halte ich mich mit Jeff´s Tipps aufrecht.

LG

Gilligan

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Reply with quote  #5 
Hallo Whippie,

es ist gut, dass Du diese Seite gefunden hast. Glaube mir, ich kann Dich zu 100%, quatsch, 1000% verstehen. Deine Symptome kenne ich nur zu gut. Wenn man wie Du in einer 24 Stunden Dauerpanikattacke ist, ist es die Hölle. Ich hatte das auch einige Male und hatte immer Angst, WAHNSINNIG zu werden und den Verstand zu verlieren. Hatte oft Angst, dass ich vom Balkon springe, weil ich die Panik nicht mehr ausgehalten habe. Aber es ist eben "nur" ein Gefühl, es ist nichts dahinter. Wenn ich (wieder mal) depersonalisiert bin, also alles unwirklich ist, habe ich das Gefühl, mein Körper würde in tausende kleine Murmeln zerfallen (weiß selbst nicht, warum ich das immer mit Murmeln assoziiere, aber so fühlt es sich an), sich also auflösen. Dieses Gefühl ist so verdammt real, dass ich einmal wirklich kurz davor war, mir einen Verband zu holen, um ihn um den Körper zu wickeln, damit er ihn zusammenhält und ich nicht zerfalle. Verrückt, nicht? Nun ja, ca. zehn Minuten später war die Attacke vorbei, mein Nervensystem wieder EINIGERMAßEN beruhigt und ich konnte über mein "Vorhaben" schmunzeln.
Es fühlte sich eben nur so an, als ob dieses oder jenes geschehen würde. In Wirklichkeit ist da nie etwas.

Da sieht man mal, was Panik mit uns macht, was sie uns vorspielen kann (auch Deine Herzschmerzen usw.)

Was ist für Dich das Schlimmste während einer Panikattacke???
Das Gefühl, verrückt zu werden?
Das Unwirklichkeitsgefühl?
Todesangst oder körperliche Schmerzen?

Es könnte so einfach sein, die Panik + alle Begleitsymptome loszuwerden, es könnte sofort passieren, man müsste sich "NUR" entspannen (im Kopf).
Aber das ist ja gerade das Schwierige bei uns Dauerangespannten

Mein Therapeut hat mir mal Folgendes erklärt (und ich finde diese Erklärung gut, es ist ähnlich wie das, was Jeff geschrieben hat):

Wenn die PanikWELLE kommt, versuche mal nicht, verzweifelt gegen sie zu arbeiten (gegen den Strom zu schwimmen), laß´ Dich einfach mitreißen und und fort treiben, surfe auf der Welle. Sie dürfte sich dann wirklich innerhalb weniger Augenblicke in Luft auflösen. Man muss es zwar öfter üben, aber wir haben ja reichlich Attacken, so dass wir intensiv trainieren können 

Manchmal "begrüße" ich die Panik auch wie einen Freund: "Ach hallo, du schon wieder. Du kommst bestimmt, weil ich wegen der Arbeit gerade so gestresst bin, na, dann komm` halt mit......."

Darf ich Dich fragen, wie alt Du bist?

Von Herzen alles Gute, auch für die Schilddrüse.
Würde mich freuen, wenn Du zurück schreibst!

Whippie

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Reply with quote  #6 
Hallo Gilligan,

schön, von Dir zu lesen! Es hilft, wenn es Anderen ähnlich geht.
Ich bin 38 Jahre alt geworden letzte Woche.
Die Schilddrüsenwerte waren erhöht, was für eine Unterfunktion sprechen würde. Dachte, das wäre jetzt ein Ansatz damit ich etwas tun kann. Ein paar Tage später war der Wert "normal" und der Radiologe hat gemeint, man müsse nichts machen. Meine Hausärztin aber meinte, ich solle jetzt mal trotzdem die Hormone nehmen und wenn sie dann aus dem Urlaub kommt (4 Wochen!!!) prüfen wir das nochmal. Ich bin total verunsichert und glaube mittlerweile auch nicht mehr richtig, dass das mein Hauptproblem ist.

Das Schlimmste im Moment ist für mich eher dieser schlechte Dauerzustand. Eine Attacke selbst kann ich mittlerweile einigermaßen kontrollieren. Die Attacken variieren immer zwischen der Angst vor einem Herzstillstand und dem Kontrollverlust bzw. Verlust des Verstandes.

Am meisten machen mich aber diese köperlichen Dauersymptome fertig. Ständiger heftiger Schwindel. Schlimme Nackenschmerzen und Blockaden im HWS-Bereich. Dauernd taube, kribbelnde Arme, Finger und Beine. Atemnot, Schlafentzug, Muskelzuckungen usw. usw.
Und natürlich diese ständigen Entfremdungsgefühle. Meine Hand fühlt sich manchmal an, als würde ich eine fremde anfassen. Oder ich habe diese Depersonalisation oder diese komische Benommenheit, als wäre alles nicht real. Das ist sehr schlimm, wenn man z.B. bei der Arbeit mit jemandem spricht und plötzlich kommt dieses Gefühl und man darf sich nichts anmerken lassen.

Sehr schlimm ist auch diese heftige innere Unruhe und das Gefühl quasi aus seinem eigenen Körper raus zu wollen, weil man es nicht mehr aushält. Das ist vielleicht etwas vergleichbar mit dem Gefühl, dass Du hattest mit diesen Murmeln.
Manchmal bebt auch alles irgendwie in mir und ich habe so ein ständiges Dauernzittern am ganzen Körper. Begleitet von so einem krassen Schwächegefühl.
Die Hauptsymptome wechseln sich in längeren Abständen ab. Zur Zeit ist das dieser wahnsinnige Schwindel.
Wenn man ständig solche Symptome und Beschwerden hat, bekommt man eine heftige Krankheitsangst dazu. Habe zur Zeit echt Panik, dass ich vielleicht MS, einen Hirntumor oder einen Herzfehler habe.
Manchmal denk ich mir, reiss dich zusammen, du spürst doch, dass du psychisch nicht auf der Höhe bist. Aber das nutzt dann irgendwie auch nichts.

Diese Beschwerden sind so heftig und dauerhaft, dass man echt Panik bekommen kann.

So, jetzt hab ich mir wieder bisschen was von der Seele geredet.
Wäre schön, wieder von Dir zu lesen und ob Du so etwas auch durchhast.

Darf ich Dich auch fragen, wie alt Du bist? Oder kannst Du Dir z.B. erklären, woher das bei Dir kommt?

Liebe Grüße und alles Gute






Gilligan

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Reply with quote  #7 
Hey Whippie,

Deine Antwort kam ja schnell, super. Ich habe gerade jetzt - während ich Dir schreibe - eine kleine bis mittlere Panikattacke, die erste seit ca. drei Wochen
Jetzt versuche ich mich auf diesem Weg abzulenken, mal schauen ob es klappt. Ich ärgere mich gerade total, dass ich die Tipps, die ich Dir ja erst vor wenigen Tagen gegeben habe, selbst jetzt nicht befolgen kann. Obwohl man ja eigentlich weiß, dass es "nur" die Attacke ist, besteht ja immer ein Restrisiko, dass man sich irren und doch etwas Schlimmes sein könnte.
Ich habe immer so schreckliche Angst vor dem Tod, wenn mir schwindelig ist o.ä. denke ich immer, das war`s wohl jetzt.

Dir geht es wohl genauso.....

Juchhu, erste Etappe geschafft, die Panik lässt nach!!!!!!!!!  
(War immerhin ca. 30 Minuten SEHR beunruhigt).

G-O-T-T--S-E-I--D-A-N-K!!!

Habe mir irgendwie angewöhnt, immer auf die Uhr zu schauen, wenn die Angst kommt. Dann weiß ich genau, wann der Spuk wieder vorbei ist.

Wenn ich Deinen Text so lese, denke ich, er könnte auch von mir sein, fast alles identisch bei uns.

Auch wenn mir alle Betroffenen sehr leid tun, freue ich mich irgendwie immer ein bißchen, wenn ich lese, dass jemand große Angst hat, den Verstand zu verlieren (so wie Du geschrieben hast). Dann weiß ich, dass ich nicht alleine bin und vor allem (was sehr wichtig ist), dass mich jemand verstehen kann, also WIRKLICH verstehen.
Die Angst, durch diese Depersonalisation den Verstand zu verlieren war und ist mein großes Hauptproblem. Ich war schon oft so depersonalisiert, dass ich Angst hatte, vom Balkon zu springen. Wenn meine Stimme mir fremd vorkommt (kennst Du das auch?), höre ich SOFORT auf zu sprechen, sonst, so glaube ich, bekomme ich einen Schreianfall und kann nie, nie wieder damit aufhören. Voll unrealistisch eigentlich, fällt mir mal so gerade auf, hihi.

Panikattacken teilen sich oft in psychische (z.B. Angst vor Kontrollverlust, Depersonalisation usw.) und eben körperliche Symptome. Der eine hat eher das, der andere das.
Und obwohl ich überhaupt nicht scharf auf so schlimme Symptome wie Atemnot o.ä. bin, wäre sie mir, glaube ich, lieber als die psychischen Symptome.

So, Panik komplett weg, puh. Glaube, der Auslöser war vielleicht auch die Zeitumstellung. Irgendwie sahen die Farben des Himmels so irreal (weil ungewöhnlich) aus für die Uhrzeit vorhin, wenn das so ist, bin ich immer sofort depersonalisiert und dann folgt die Panik.

Kennst Du das Buch "Das Gefühl, ein No-Body" zu sein von Berit Lukas???
Falls nicht, ich kann es Dir sehr empfehlen. Es handelt ausschließlich von Depersonalisation, wie sie entsteht, ihre Symptome, Betroffene berichten usw.

Ich arbeite im sozialen Bereich, es waren immer zwölf Tage am Stück, dann zwei frei, wieder zwölf usw. Wenn ich Pech hatte, waren es auch mal 19 Tage ohne einen freien Tag. Das ließ sich aber mit den Attacken irgendwann GAR NICHT mehr vereinbaren, was bedeutet, dass ich schon mit echter Todesangst aufgestanden bin, meine Schicht hinter mich gebracht, oder besser: sie irgendwie überlebt habe und dann ab nach Hause, den Abend stets von heftigen Attacken begleitet.
Mein Therapeut hat mir dringend geraten, mich krank schreiben zu lassen oder die Stunden radikal zu reduzieren. Er meinte, es sei eine Meisterleistung, mit so heftigen Symptomen wie Depersonalisation überhaupt arbeiten zu gehen. Er sagte, niemand würde das tun. So habe ich nach einigen kurzen Krankheitstagen meine Stunden reduziert (habe natürlich meiner Chefin eine Notlüge gesagt, nicht den wahren Grund) und arbeite jetzt seit März nur noch 80 Stunden/Monat. Ist zwar auch sehr viel Gehalt weniger, aber das war´s mir wert. So sind Panik und Dp viel weniger geworden.

Hast Du vielleicht auch die Möglichkeit - zumindest vorrübergehend - weniger zu arbeiten? Ich denke, dass würde Dir zur Zeit mehr als gut tun. Wenn es irgendwie möglich ist, versuche es einzurichten. Dann können sich Körper und Geist erholen und die Angst wird weniger.

Wenn Du erst einige ruhige, "normale" Tage dazwischen hast, wird sich mit Sicherheit einiges ändern.

Ich glaube, mich vage daran erinnern zu können, dass man bei einer Schilddrüsenüberfunktion depressiv werden KANN, vielleicht ist es ja auch mit Ängsten verbunden!? Da gibt es jedenfalls Medikamente gegen...

Trotzdem würde ich an Deiner Stelle eher den Fokus darauf legen, die Panikattacken an sich abzuschwächen, statt darauf zu "hoffen", dass die Schilddrüse der Grund ist, weißt Du, was ich meine?

Hattest Du denn auch viel Stress in der letzten Zeit, privat oder beruflich?

Ich kenne Dich zwar nicht, aber ich glaube nicht, dass Du (bzw. wir) irgendeine schlimme Krankheit haben, außer Hypochondrie vielleicht
ALLES, was Du beschrieben hast, kenne ich als Symptome bei Panik.
Eine Freundin von mir hat auch Ängste und oft auch richtige Schmerzen im Herzen und so. Sie war aber beim Arzt, es war alles bestens.

Diese Hypochondrie macht einen fertig, ich weiß...

Hast Du Personen, mit denen Du über Deine Angst sprechen kannst? In der Familie, auf der Arbeit?

Habe mir auf der Arbeit sooooooooooooo oft gewünscht, dass ich während einer Dp-Attacke umkippe, damit sie mich nach Hause schicken, aber so weit kommt es natürlich nie. Also muss man alles so durchstehen und ohne Körper von a nach b laufen, mit fremder Stimme sprechen, mit fremden Händen etwas anfassen, es war so schrecklich.

Kennst Du diese Zweidimensionalität während der Dp? Wenn alles so aussieht, wie auf einem Bild und es keine Tiefe gibt?
Aufgrund dessen hatte ich sogar schon mal den Gedanken, ich hätte mir mein Leben nur eingebildet...dann dachte ich natürlich, ich drehe komplett ab.
Also, TV angemacht, mich einigermaßen entspannt und ca. zwei Stunden später war die Welt, meine Welt wieder völlig in Ordnung. Irre, nicht?

Ich wünsche Dir alles Liebe nachträglich zum Geburtstag und einen symptomfreien restlichen Abend.

Freue mich auf Deine Antwort. Schaue jetzt wieder täglich ins Forum

Ach ja: Bin 30 Jahre alt!

Whippie

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Reply with quote  #8 
Hallo Gilligan,

schön, dass Du auch wieder geantwortet hast. Es ist echt beruhigend, dass es mehr Menschen gibt wie uns und wenn man sich austauschen kann.
Vorhin war ich mit einem Freund beim Essen und da gings auch wieder los bei mir. Ein heftiges Stechen im Kopf und schon alle Paniksymptome hinterher. Konnte mich aber einigermaßen beruhigen und nicht vor die Tür laufen. Herzrasen hatte ich aber fast 1 1/2 Stunden weiter.
Heute nachmittag wollte ich unbedingt mal raus bei dem schönen Wetter, weil ich festgestellt habe, dass ich zuhause deppressiver werde und sich alle Symptome verschlechtern. Wahrscheinlich, weil ich nicht genug abgelenkt bin.
Bin dann zum Grab von meinem Bruder gefahren, obwohl mir schon wieder so furchtbar schwindlig war. Wollte dann anschließend meine Mutter zum Eis einladen und bisschen in der Sonne sitzen. Vor lauter Schwindel bin ich aber einfach wieder heimgefahren. Das macht ja keinen Spaß und man hat schlechte Laune, wenn es einem ständig so mies geht. Dann saß ich wieder daheim bis eben dann zum Essen.

Als ich vom Grab zurückkam ging es mir so schlecht psychisch wegen diesen körperlichen Symptomen, dass ich mir einen Sekt aufgemacht habe und den vor Verzweiflung getrunken hab.
Zur Zeit überwiegt bei mir als körperliches Symptom starker ständiger Schwindel und diese furchtbare Depersonalisierung. Ich saß im Auto und hab mich gefragt, sitze ich jetzt wirklich hier drin und fahre oder sitze ich noch zuhause auf der Couch und bilde mir das nur ein.
Es ist echt beruhigend, dass Du weißt von was ich spreche. Wenn ich das meinen Freunden oder Eltern erzähle gucken die mich nur komisch an und können das nicht nachvollziehen. Vielleicht denken die ich spinne.
Also sag ich lieber gar nichts mehr. Man kommt sich sehr alleine und hilflos vor. Gefangen im eigenen Körper ohne die Möglichkeit sich an jemanden Vertrautes zu wenden.

Wie Du das mit den Lichtverhältnissen beschreibst, das kenn ich auch so gut. Z.B. in einem Kaufhaus dieses künstliche Licht, da entfremde ich mich sofort total, auch die Natur heute im Sonnenlicht. Wahnsinn. Alles so unreal!

Hast Du auch festgestellt, dass sich die Dp bei zu langem Fernsehschauen verschlimmert. Ich habe manchmal das Gefühl, Fernsehen und Realität verschmelzen ineinander.

Manchmal denke ich schon, dass wahrscheinlich (irgendwie logischerweise) Ruhe am besten für einen ist, weil ja wohl sämtliche Nerven total überreizt sind. Aber auf der anderen Seite lenkt mich z.B. die Arbeit auch ein bisschen ab. Wobei ich 85% immer mit dieser Dp und natürlich heftigen körperlichen Symptomen kämpfe.

Wenn ich mich an die Situation mit dem Arbeiten gewöhnt habe, versuche ich damit klarzukommen. Hab ich dann mal eine Woche Urlaub, hab ich Angst in ein noch tieferes Loch zu fallen. Habe ich mich an die Urlaubssituation gewöhnt, hab ich Angst wieder in die Arbeit zu gehen. Es ist zum verrückt werden!
Eigentlich war ich mal ein selbstbewusster Mensch, den eigentlich nichts hat Angst einjagen können.
Heute stolpere ich schwindlig und kraftlos und ängstlich durch die Gegend. Ich glaube nicht, dass man es mir anmerkt. Für meine schauspielerische Leistung hätte ich schon mindestens 30 Oskars verdient. Das kennst Du bestimmt auch.

Zur Zeit habe ich alle Symptome einer MS und das bilde ich mir auch gerade ganz schlimm ein. Meine Hände und Beine sind ständig taub und fühlen sich fremd an. Mein Nacken verspannt sich immer mehr, obwohl ich täglich Übungen dafür mache und mir eine Wärmflasche draufpacke.

Ich kann mich erinnern, dass ich eine Phase mit Dp und Panikattacken als Teenager hatte. Eine ganz schlimme und lange Phase, so wie jetzt auch. Damals dachte ich auch, dass ich so unter keinen Umständen weiterleben kann und will. Irgendwann wurde es dann leichter.
Dann hatte ich so mit Ende 20 nochmal eine schlimme Phase, wo ich vor körperlichen Schmerzen fast kaputt gegangen wäre und kein Arzt etwas gefunden hat. Damals hab ich einen Psychotherapeuten aufgesucht.
Habe aber abgebrochen und die Schmerzen wurden irgendwann leichter.
Körperliche und psychische Symptome habe ich aber eigentlich kontinuierlich. Nur eben bis vor einem dreiviertel Jahr in erträglichem Maße.

Ich hatte diese Dp nur ab und zu zwischendurch, was schon sehr beunruhigend war. Heute ist sie quasi ständiger Begleiter. Wenn ich nur zweimal pro Tag eine Panikattacke hätte, glaube ich , könnte ich damit umgehen. Aber ich laufe ja ständig mit dieser Dp durch die Gegend. Ist das bei Dir auch so?

Hast Du irgendeine Erfahrung gemacht, wie man mal wieder einen klaren Kopf bekommen kann? Ich wünschte mir nur einmal einen klaren Verstand oder eine nicht benommene Birne, damit ich wieder mal weiß, dass es das auch noch gibt.
Manchmal verliere ich die Orientierung ein bisschen oder das Zeitgefühl komplett. Das macht mir dann solche Angst und ich denke, jetzt ist es soweit, dein Hirn ist bald komplett Matsch!
Furchtbar ist das.

Das mit der Stimme, die fremd vorkommt kenne ich auch. Mir kommt manchmal, wenn ich ein Gespräch mit jemandem führe, plötzlich die ganze Situation so unreal vor. Als ob ich sie von aussen beobachte und dann frag ich mich, ob derjenige wohl sieht, dass ich gerade meinen Verstand verliere. Dann werde ich unsicher und laber Mist und bin voll unkonzentriert. Klar, hab ja gerade alle Hände voll damit zu tun, nicht komplett irre zu werden.

Schlimm ist auch der Zustand, wenn dann viele Menschen umherrennen, wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimfahre. Dann huscht alles an mir vorbei und ich habe das Gefühl, dass meine Augen dem ganzen nicht mehr folgen können und dass ich alle Leute anrempeln muss, weil ich nichts mehr gebacken bekomme.

Weißt Du was auch komisch ist: Da hat man ständig Angst an irgendeiner Krankheit zu sterben oder auch täglich mehrmals in den Panikattacken und auf der anderen Seite erscheint mir der Tod manchmal als eine Art Beruhigung, weil er ein Weg ist da rauszukommen. Diese Gedanken verwerfe ich dann schon ganz schnell wieder, weil ich ja da sein muss für meine Eltern und meine drei Katzen )

Schön, dass ich mir wieder bisschen was von der Seele reden konnte, was man eben Nichtbetroffenen nicht erzählen kann, zwecks Unverständnis.

Ich kann Deine Erzählungen auch zu 100% nachvollziehen. Das macht Mut.

Wünsch Dir auch alles Gute derweil, ich schau hier auch täglich rein.

Alles Liebe!




Gilligan

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Reply with quote  #9 
Liebe Whippie,

also langsam wird es echt gruselig mit Dir bzw. mit dem, was Du schreibst 
Es ist bei mir ganz genauso, fast keine Abweichung von dem, was Du berichtest.
Mittlerweile schicke ich fast immer meinen Freund in den Supermarkt, eben weil ich dieses furchtbar künstliche Licht nicht ertrage. Zu greller Sonnenschein führt bei mir erst zu Reizüberflutung und dann zu Dp, ist also auch nicht gut. Und Dämmerung...ganz, ganz schlimm, es sieht so irreal aus.
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass da vieles mit dem Wetter zu tun hat, was meinst Du?

Ich weiß auch, was Du mit dem langen Fernseh schauen meinst, man taucht quasi in das Programm ein. Oft vergesse ich dabei, dass ich überhaupt existiere, so sehr bin ich Teil der Serie, Doku oder was auch immer geworden.
Da ich aber seit ich denken kann ein richtiger Fernseh-Junkie bin, hilft mir das sehr beim, nenne ich es mal "emotionales Abschalten". Wenn ich mich entfremdet fühle, hilft mir TV sehr. Ich schaue dann immer etwas, was ich schon als Kind gerne gesehen habe, also laaaange vor der ersten Dp und sieh´ an: Die Dp tritt in den Hintergrund, die Nerven beruhigen sich durch diese schöne Erinnerung.

Wollte Dir dies als super Tipp geben, aber da sind wir wohl verschieden...
Oft hilft es mir aber auch, wenn ich dann viel im Internet über Panik und Dp lese - irgendwie holt mich das wieder auf den Boden der Tatsachen.

Ich verstehe auch gut, was Du mit Tod = Beruhigung meinst. Dachte so unendlich oft, dass es keinen Grund geben würde, sich je etwas anzutun, aber die Dp rückt alles in ein anderes Licht. Habe mich eh mal gefragt, ob mir der Tod bzw. das Sterben etwas ausmachen würde im depersonalisierten Zustand, weil ich ja im Prinzip dann doch körperlos bin, oder? (Ich beschreibe es immer damit, dass ich gerade keinen Körper habe, weil ich ihn nicht spüren kann.)Weiß ehrlich gesagt nicht, was ich getan hätte, wenn da nie wieder ein klarer, ein realer Moment gekommen wäre. (Glücklicherweise kommt er aber IMMER, IMMER wieder, von daher müssen wir uns EIGENTLICH ja keine Gedanken machen..., wenn da nur nicht die Sorge wäre, dass alles so irreal bleibt.)

Durch diese ganze Dp-Kacke kann ich leider gar keine Verabredungen mehr planen, ich kann nur auf den Moment schauen, also ob ich  mich gut fühle oder schon ein bißchen depersonalisiert. Dann lasse ich es vorsichtshalber ganz sein. Und wenn ich guter Dinge bin, hat meist ja keiner sooo spontan Zeit. Wenn man mich dann fragt, wie es denn z.B. nachmittags aussehen würde mit treffen, bekomme ich schon ein ungutes Gefühl, es kann ja sein, dass ich im Laufe des Tages noch zehn Attacken mit Dp kriege... 

Wobei uns Verabredungen natürlich wunderbar ablenken würden!

Ich frage mich bei Dir, ob Dir wirklich schwindelig ist oder ob Du Dich nur so fühlst wegen der Dp. Ich meine, ich kenne das in dem Sinne, dass ich wegen der Körperlosigkeit keinen festen Boden unter den Füßen habe und diesen Zustand mit Schwindel beschreiben würde. Ansonsten soll es ja auch so etwas wie Angstschwindel geben.

Die Symptome, die Du von MS beschreibst, sind auch die von Panik. Was liegt bei Dir wohl näher???
Ich hatte/habe die gleichen Beschwerden und mit Sicherheit keine MS 
Verstehe mich bitte nicht falsch, ich nehme Deine Ängste sehr ernst, möchte Dir aber auch die Augen öffnen. Dafür ist wichtig zu verstehen, dass Dich Deine Ängste an der Nase herum führen. (Meine mich natürlich auch, ich denke bei JEDEM Stich in der Schläfe, es war ein Hirnschlag und kriege Todesangst.)

Darf ich Dich fragen, woran Dein Bruder gestorben ist?
(Wenn Du darauf nicht antworten möchtest, verstehe ich das natürlich!!!)

Kannst Du Dich erinnern, was Deine Panik/Dp ausgelöst hat, als Du ein Teenager warst? Wie ist sie damals wieder verschwunden? Vielleicht ist das ja eine Art Schlüssel zu Deiner jetzigen Situation!?!?

Um Deine Frage zu beantworten: Momentan habe ich Panik/Dp nur phasenweise, aber ich kenne auch das Gefühl, sie rund um die Uhr zu haben, einige Wochen am Stück. Die letzte Phase war Jan./Feb. wegen der vielen Tage Arbeit hintereinander.

Dass, was Du über Arbeit - Urlaub - Arbeit schreibst, ist mir sehr bekannt. Habe gerade Urlaub und mir graut es schon vor dem Wochenende, da geht´s wieder los mit Schichtdienst.

Denke immer daran: Wenn Du glaubst, verrückt zu werden und den Verstand zu verlieren, bist Du in Wirklichkeit gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz weit davon entfernt. Verrückte wissen nicht, dass sie verrückt sind       Der Satz hat mir immer sehr geholfen.

Alles Gute!!!       

Whippie

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Reply with quote  #10 
Hallo Gilligan,

zuerst möchte ich Dir echt danken. Deine Antwort hat echt gut getan. Hab fast heulen müssen, dass Du mich so verstehen kannst.
Vor ein paar Tagen ist der Mann einer Arbeitskollegin verstorben. Er hatte ALS. Von der Diagnose bis zum Tod vergingen gerade mal 2 Jahre. Es ist so eine furchtbare Krankheit und beginnt mit ähnlichen Symptomen wie MS.
Als ich heute die Danksagungskarte von meiner Kollegin erhalten habe, hat sie die Symptome der Krankheit nochmal so beschrieben und wie es für ihn war. Das hat mich mit meiner ganzen Symptomatik natürlich schon wieder total in Panik versetzt und natürlich sofort mein eigenes Todesurteil war gesprochen.

Gleichzeitig hab ich mich fast richtig geschämt, weil ich mir im Gegensatz zu dem armen Familienvater wohl meine Krankheit nur zusammenspinne. Ich sollte froh sein und nicht jammern.
Aber es geht nicht.

Es hat mir geholfen, dass Du gesagt hast, wir müssen uns einfach mal entspannen im Kopf. Da musste ich schmunzeln, denn ich glaube, das stimmt zu 100%. Warum ist das nur so schwierig?

Das mit den Lieblingsserien oder Filmen, die einen positiven Einfluss auf einen haben, kenne ich schon. Wenn ich meine heile Welt haben will und abschalten, dann gucke ich immer ..................Achtung, jetzt wirds peinlich...........Sissi - einen der drei Filme!
Völlig untypisch für jemanden wie mich *lacht*, aber es vermittelt mir irgendwie Frieden und Entspannung.
Negativ ist allerdings, wenn ich den ganzen Tag daheim sitze, weil keiner für mich Zeit hat oder weil es mir schlecht geht und ich jeden Schmarrn anschaue, dann merke ich, dass mir das überhaupt nicht gut tut.

Das mit den Verabredungen ist wirklich krass. Dir geht es da ja leider genauso. Man wird wirklich langsam zum Aussenseiter. Manchmal denke ich mir, dass bald niemand mehr etwas mit mir zu tun haben möchte. Heute z.B. war ich auf der Rückfahrt von der Arbeit relativ gut drauf. Ich konnte mich irgendwie bisschen entspannen während der Tramfahrt. Dann wollte ich bisschen spazieren gehen und etwas essen mit einem Freund. Der hat mir prompt einen Korb gegeben. In dem Moment bin ich wieder in ein Loch gefallen.
Wiederum hat mir heute vormittag eine Freundin angeboten mit mir dieses neue Kultgetränke "Bubble Tea" testen zu gehen am Abend. Ich habe natürlich vorsorglich direkt abgesagt, weil ich ja total heftige Dp hatte schon seit vormittag.
Bei Stammtischen oder Konzerten oder sag ich mittlerweile nur noch spontan kurz davor zu oder ab. Einmal bin ich zu einem Treffen mit Freunden gegangen und war über eine Stunde so heftig depersonalisiert, wie noch nie zuvor. Ich habs vertuscht und mich elendig gefühlt. Nach einer Zeit hat es nachgelassen und ich hatte sogar etwas Spaß.

Warum können wir nicht einfach auch Spaß haben wie alle anderen auch? Warum muss ich mir (ja anscheinend selbst) das Leben zur Hölle machen?

Die schlimme Zeit als Teenager kann ich mir nicht so richtig erklären, denn was damals schief gelaufen ist, hab ich erst viel viel später einigermaßen rausfinden können. Allerdings müssen wohl einige Ereignisse in der Kindheit schon zu so einer Reaktion geführt haben.

Meinem Bruder ging es wohl ähnlich und er wurde ziemlich früh zum Alkoholiker. Ich habe dazu wohl eher keine Tendenzen.
Lange Zeit lebte er ein "normales" Leben trotz starkem Alkoholkonsum - irgendwann gings aber dann los mit den großen gesundheitlichen Problemen.
Als ich die zweite schwere Phase mit Depressionen, Schmerzen und Dp hatte, ist mein Bruder sozusagen dem Tod gerade noch so von der Schippe gesprungen. Er hat aber weitergetrunken.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber schon einen langen Kampf und viele Jahre mit Sorgen und Gesprächen, Versuchen meinen Bruder zum Entzug zu bewegen, abgebrochene Entzüge seinerseits und allem drum und dran hinter mir. Einmal hatte er aufgrund des Alkoholentzugs zuhause komplett den Verstand verloren (übergangsweise). Das war eines der schlimmsten Erlebnisse in meinem Leben. Ich war so hilflos und es war so grausam, das mit anzusehen.

Mein Psychotherapeut hat damals gemeint, ich müsse mich von meinem Bruder lösen, weil ich ihm nicht helfen kann, das kann er nur selbst. Ich selbst würde sonst eher draufgehen als er. Und das hat wirklich gestimmt. Hätte ich mich damals nicht zurückgezogen, wäre ich heute nicht mehr da.

Musste also den Kontakt abbrechen um selbst zu überleben. Habe dann eine neue Beziehung angefangen und versucht mich darauf zu konzentrieren. Jahr um Jahr wurde diese aber komplizierter und schwieriger und auch belastender. Langsam fing wieder die Dp an und die Depressionen waren sowieso immer da. Schon wegen den Sorgen um meinen Bruder. Hatte den Kontakt aber bis auf ein paar SMS beschränkt. Trotzdem belastete mich das ganze natürlich wahnsinnig. Ich wusste ja, auf was das ganze hinauslaufen würde, aber ich konnte es eben nicht mit ansehen und unternehmen auch nichts, das musste vom Bruder selbst kommen. Kam es aber nicht.

2009 hat mich mein Vater morgens angerufen und mir gesagt, dass mein Bruder gestorben ist. Er lag vier Tage in seiner Wohnung und es hatte 36 Grad Celsius. Ich musste zusammen mit meinem Freund die Wohnung ausräumen. Habe nur irgendwie funktioniert, war aber nicht bei mir. Ich denke, das könnte die Erklärung für meine Dp sein. Ich kann den Gedanken nicht im wachen oder klaren Zustand ertragen, deswegen macht mein Verstand dicht.

Das alles ist mir schon bewusst, dass es genug ist um solche Depris und Dp und körperlichen Symptome zu verursachen. Trotzdem kreisen meine Gedanken dauernd um meine Beschwerden. Morgens der erste Gedanke, abends der letzte.
Zum guten Schluss ist auch noch die Beziehung letztes Jahr im Sommer auseinander gegangen. Das hat dann wohl das ganze noch weiter geschürt.
Jetzt bin ich in einem Kreislauf gefangen.

Gerade bekomme ich wieder eine Schwindelattacke die echt schlimm ist. Man denkt da schon immer, dass etwas körperliches dahinter stecken muss. Der Verstand sagt, das ist die Psyche aber die Angst sagt, Du wirst durch eine furchtbaren Krankheit dahingerafft. Oh Mann!

Kannst Du nachvollziehen, woher es bei Dir kommen könnte? Hast Du auch schlimme Dinge erlebt?

Fühle mich in der ganzen Trauerzeit auch total alleine gelassen. Meine Eltern können schlecht über Gefühle reden und mit mir hat bis jetzt noch niemand geredet, wie es mir denn mit der Situation geht. Irgendwie krass oder? Man funktioniert also nach aussen weiter obwohl man innerlich total zerbrochen ist. Wahrscheinlich führt genau das zu solchen Zuständen, die wir durchleben müssen.

So, hoffe, dass ich Dich mit meinen Erzählungen nicht auch noch runterziehe. Danke für Dein Interesse.

Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann mal wieder ein positiveres Leben zu führen ohne diese Ängste und Zustände. Ich würde es uns so wünschen und gönnen.

Ganz liebe Grüße und alles Gute derweil :-)







Gilligan

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Oh, das tut mir wirklich sehr leid, was damals Deinem Bruder und somit auch Dir passiert ist

Aber glaube mir: So hart das klingt, Du hast das Richtige getan, als Du den Kontakt abgebrochen hast. Ich habe das aus unzähligen (guten!) Reportagen und Dokumentationen (keine Doofi-Sendungen), da meinten die (Sucht-) Berater immer, dass man die Suchtkranken sozusagen fallen lassen muss, damit sie überhaupt etwas ändern.
Dein Bruder konnte leider nichts ändern, aber Du hättest ihm da wohl auch nicht helfen können. So schlimm das auch ist, dies zu erkennen. Es ist absolut logisch, dass Du nach so einem Trauma depersonalisiert durch die Weltgeschichte läufst. Wer täte das nicht???

Du hast das ja verstanden, dass Dp eigentlich ein Schutzmechanismus ist, oder? Die Realität war zu schlimm für Dich und damit Du erst einmal überleben kannst, also auch arbeiten usw., musstest Du ja depersonalisiert sein, ist ja eigentlich wirklich verständlich.

Und es kommt immer etwas dazu: Der Tod des Mannes der Kollegin, Schuldgefühle (?) Deinen Eltern gegenüber, Du hast das Gefühl, Du musst Dich kümmern, sie ablenken u.ä., was Du aber vor lauter Ängsten nicht schaffst, also hast Du hier wieder ein schlechtes Gewissen.  Und DAS bedeutet wieder Stress für Dich. Stress = Dp!!!    Mensch, Du Arme!

Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen, dass Du Dich "anstellst" oder so (in Bezug auf die Krankheit des Mannes der Kollegin). Auch wenn es vielleicht blöd klingt: Ich würde meinen rechten Arm geben, wenn mir jemand versichern könnte, Panik und Dp wären für immer vorbei. Ich müsste nicht eine Sekunde überlegen. Würde mir ein Arm fehlen, könnte ich doch immer noch ein schönes Leben haben, oder?

Und wie bereits gesagt: Hypochondrie ist auch eine schlimme Krankheit. Sie ist zwar nicht gefährlich, aber nicht mehr oder weniger schlimm als anderes.

Eine Nachbarin meiner Eltern ist im Januar ganz plötzlich verstorben, das war auch, glaube ich, der Auslöser für meine letzte Phase. Hatte da immer Angst nach dem Einschlafen nicht mehr aufzuwachen. Das hat mich fertig gemacht, dabei kannte ich sie kaum. Wenn ich zu Bett gehe (in der Regel vor meinem Partner), bitte ich ihn immer, zwischendurch nachzuschauen, ob ich noch atme.

Hihi, Sissi kenne ich. Ich gucke lieber ALF, kennst Du den?

Deine Erzählungen ziehen mich nicht runter, keine Sorge  

Sehe, Du bist noch online. Du hast bestimmt auf eine Antwort gewartet, darum schicke ich sie erst mal schnell ab

Whippie

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Vielen Dank für Deine verständnisvolle Antwort!

Wir werden morgen mal versuchen einen ganz entspannten Tag zu haben, oder!?
Ich nehme mir das jetzt mal gaaaaanz fest vor. Schon morgens immer fest ans entspannt sein denken.
Mal sehen!!

Ich berichte, wie es gegangen ist ;-)

Vielen Dank nochmal und eine gute und angstfreie Nacht!


Whippie

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Das muss ich jetzt noch loswerden:

Ja, Du hast das echt gut durchschaut mit den Schuldgefühlen und so. Das trifft zu 100% zu.

Vielleicht magst ja mal bei Gelegenheit erzählen, was Dich belastet, musst Du natürlich nicht, wenn Dir das unangenehm ist.

Danke nochmal.

Gilligan

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Reply with quote  #14 
Ja und warum meine Dp entstanden ist, ist mir ein Rätsel. Es geht gar nicht Richtung Trauma oder so (glaube ich zumindest). Ich hatte einfach jahrelanges Mobbing hinter mir (viele Jahre in der Schule, später in der Ausbildung, Ausbildung deshalb abgebrochen, zweite Ausbildung wieder starkes Mobbing), dazwischen sehr lange Existenzangst, Verlustangst, Krankheitsangst, Angst, dass meinen Lieben etwas passieren könnte, meine depressive Mutter hat versucht, sich umzubringen (mal wieder) usw.,usw.

Habe mir einfach mein halbes Leben nur Sorgen gemacht.
Dann kam eine komplizierte Weisheitszahn-OP (Operationen und Medikamente - da habe ich eine richtige Phobie vor, also im Voraus schon unendlich Sorgen gemacht), zu viel Koffein und Nikotin + Schmerztabletten an diesem Tag (wegen der OP), dazu noch eine schlechte Nachricht und ZACK......meine erste Dp und Panik (Ängste hatte ich schon immer).

Muß aber dazu sagen, dass die erste Dp für mich SEHR traumatisch war, weil ich dachte zu sterben (es kam mir vor wie eine Nahtod-Erfahrung). Als ich "merkte", hey, ich lebe ja noch, war ich mir sicher, eine schlimme Psychose bekommen zu haben. Das machte mich so fertig, weil ich Angst hatte, nicht mehr arbeiten zu können, dass ich erst mal drei komplette Monate dauerdepersonalisiert war. Ich wußte gar nicht, was geschehen war, hatte keine Infos über Dp und dachte somit, ich wäre verrückt geworden. Die schlimmste Zeit meines Lebens!!!     Mit wem hätte man sich auch austauschen sollen?

Übrigens: Trinkst Du Kaffee/Cola o.ä.?           Versuche unbedingt, darauf zu verzichten, es verstärkt die Dp total (also das Koffein).

Habe auch schon eine Koffein-Phobie deswegen, das ich nicht gucke, ob in Wasser Koffein ist, würde noch fehlen
Gilligan

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Reply with quote  #15 
Wofür Danke?    Freue mich einfach, dass wir uns so gut austauschen können.

Schlaf gut und denke an das Entspannt-sein....

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