Panic Attacks Message Board
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Lumi

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Reply with quote  #1 
Hallo Ihr Lieben!
Da ich wegen einer OP im Krankenhaus war, konnte ich in letzter Zeit hier nicht antworten. Es freut mich sehr, dass noch weitere Leute in das deutschsprachige Forum gekommen sind! :-)
Ich habe etwas Zeit während meiner Genesungsphase und schreibe mal eine Zusammenfassung, was ich bisher lernen durfte. Es passt sicher nicht auf jeden, aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen.

Die wichtigste Erkenntnis und auch der daraus resultierende Erfolg für mich war die absolute Einsicht, dass tatsächlich nichts anderes die Angst erzeugt, außer ich selbst durch meine Gedanken. Um genauer zu sein, ist es meine erlernte Reaktion auf sich ereignende Lebensumstände oder Körperempfindungen.

Es ist so, dass ich schon immer ein eher vorsichtiger Typ war und die schlechte Angewohnheit habe, bei Problemen viel zu grübeln und mich in manche Dinge reinzusteigern, anstatt etwas konstruktiv zu lösen oder mich einfach zu entspannen.
Das brachte das Fass zum überlaufen, als einmal viele negative Lebensereignisse zusammenkamen und ich der Angst durch das Nachdenken immer mehr Nahrung gab. (ängstliches Grübeln ist auch eine erlernte und wenig hilfreiche Bewältigungsstrategie als Reaktion auf Probleme. )

Ganz am Anfang wusste ich das nicht und habe wie verrückt nach den Gründen für meine ersten Angstsymptome (Aufregung, Schwitzen, Durchfall, Traurigkeit, Unwohlsein) gesucht. Anstatt mir selbst zu sagen, dass ich in einer sehr anstrengenden Lebensphase stecke, diese verarbeiten muss und alles vorbei geht , beschäftigte ich mich immer mehr mit mir selbst: "Was ist hier los? Ist es hormonell? Ist es vom Stress? Habe ich irgendeine Krankheit? Irgendwas muss doch in mir bzw. in meinem Kopf falsch sein..." Ich grübelte nicht mehr über meine ursprünglichen Probleme, dafür nun über die grässlichen Körperempfindungen, die ich loshaben wollte. Diese Körperempfindungen sind eigentlich eine natürliche Reaktion des Körpers auf zu viel Stress. Da ich das nicht einordnen konnte, bekam ich regelrecht Angst vor mir und den Symptomen. Der extreme Druck den ich mir durch das Nachdenken und Lauern nun noch zusätzlich zufügte, brachte das Gehirn an seine Grenze. Jetzt waren es tatsächlich nicht mehr vorrangig die Lebensprobleme, die mich störten, sondern die Angst- und Paniksymptome verbunden mit einem extrem negativen Denken, welches mich immer öfter "heimsuchte". Ich hatte Angst um meine Mitmenschen, vor der Arbeit uvm. Ich bekam Angst, dass ich eine Depression haben könnte oder ich bald ganz durchdrehe. Ich bekam Angst, dass ich mich selbst umbringen werde und in eine Psychiatrie eingewiesen werde. Gott sei Dank, sagte mir ein Arzt früh, dass solange man Angst vor bestimmten psychischen Krankheiten hat, man sie ziemlich wahrscheinlich nicht hat. (z.B. jemand der wirklich krankhaft verrückt ist, bemerkt es eher selbst nicht.)
Das Hilflosigkeitsgefühl übermannte mich immer mehr und ich schien nichts mehr im Griff zu haben. Ich hatte kein Vertrauen mehr in meinen Körper. Damit wurde es noch schlimmer. Ich bekam in immer kürzeren Abständen Angstzustände und Panikattacken, ich wollte nicht mehr allein sein und sah in allem etwas Bedrohliches. Ich brauchte nur noch an diese Gefühle zu denken und es kam sofort wieder. Das hatte mit dem anfänglichem Stress rein gar nichts mehr zu tun. Die Angststörung hatte sich voll entwickelt.

Ich las massenweise Bücher, Artikel und Internetseiten, weil ich es einfach nur eliminieren wollte. Mein größter Wunsch war, es wieder wie vorher haben zu wollen. Das Ganze hat natürlich zwei Seiten: Man kann dadurch auf wichtige Informationen treffen (wie z.B. Jeffs Website). Aber im schlechteren Fall bleibt man in der Grübelfalle drin und sagt damit seinem Körper immer wieder: "Mit dir stimmt irgendwas nicht! Du bist nicht normal. Beseitige die Gefühle. Ich will eine Lösung!" ..Was dann natürlich den Kopf noch mehr stresst und den Körper weiter in Alarm versetzt.

Ich bemerkte öfter, dass während ich las, ich komischerweise kaum Symptome hatte. Oder dass ich im Urlaub mit vielen neuen Erfahrungen fast tagelang angstfrei war.
Dann bekam ich unabhängig davon den Tip, es mit starker Ablenkung zu versuchen. Am Anfang ging das nur während meiner Arbeit, wo der Kopf soweit eingespannt war, dass er nichts mehr anderes denken konnte. Aber es funktionierte meistens. Verblüfft dachte ich, dass ich mich plötzlich ganz normal fühle und gar keine Probleme mehr finden kann. Als ich dann Abends in der S-Bahn saß und Zeit hatte, zogen mich die Gedanken über die Angst wieder magisch an. "Kommt sie wieder?" "Warum war sie heute weniger?" usw.,usw.. Da waren sie wieder: die Grübeleien und die Angst vor der Angst. Was passierte dann natürlich? Spätestens in der Nacht tauchte sie in Form von Panikattacken auf;-)
Es war also wie eine Gewohnheit: wenn ich zu viel Zeit hatte, legte ich den Fokus wieder auf die Angst. Wie ein Wachhund.

Gewohnheiten kann man sich aber abtrainieren! Das ist so ähnlich wie Nichtraucher werden. Zwar nicht einfach aber machbar.

Die Ablenkung vermittelte also dem Gehirn, dass alles in Ordnung ist und es nicht mehr aufpassen muss. An manchen Tagen ging das ganz gut und an anderen suchte das Gehirn parallel weiterhin nach dem Angstgefühl und an diesen Tagen blieb es auch hintergründig präsent. Jedoch bewiesen mir die angstfreien Stunden, dass eigentlich alles ok ist und ich "untendrunter" doch noch normal war. Das war die erste Stufe der Befreiung für mich. Auch wenn Ablenkung nicht die endgültige Lösung ist, hilft sie einem aber in schlimmen Phasen überhaupt Licht am Horizont zu sehen. Wie ein Medikament das übergangsweise "Luft" verschafft, um überhaupt einen Fuß raus zu bekommen und klarer zu denken.

Der nächste wichtige Baustein war für mich, den biologischen Angstmechanismus zu verstehen und absolut sicher zu werden, dass trotz der widrigen Gefühle alles ok ist. Erst dann hört man auf, auch in Ruhephasen nach der Angst zu schielen, weil man weiß, es ist einfach nichts. Der Körper macht alles richtig und ihm geht es gut.
Egal in welcher Phase man ist, kann man lernen, dass die Angstsymptome einen nicht schaden können und sie sollten einem in gewisser Weise egal werden. Man kann sie einfach da sein lassen. Das ist der einzige Weg, wie Körper und Geist sich wieder beruhigen lassen. Alle Symptome liebevoll wahrnehmen, sich nicht davon beeindrucken lassen und sich kurz erinnern, dass nix los ist, auch wenn es anders scheint. Dann kann man erstmal im Alltag weitermachen. Mit wachsender Sicherheit kann man später auch einfach sitzen bleiben und die Angstgefühle direkt anschauen und sie durchfließen lassen. Das erfordert aber großes Bewusstsein und Mut. Man erkennt, dass die Angst nur ein Gespenst ist. Irgendwann lernt das Gehirn um, dass es uns nicht beschützen muss und die schlimmen Attacken werden weniger häufig, bis sie phasenweise ganz weg sind.


Der Kreislauf der Angst- und Panikstörung also nochmal zusammengefasst: (Sorry, ab hier doppelt sich jetzt vieles. Aber kann ja nicht schaden ;)

Am Anfang hat man sich wegen irgendwas Sorgen gemacht. z.B. über eine komische Körperempfindung oder ein Ereignis. Oft sind wir Menschen mit Angstststörung sowieso schon etwas hypochondrisch veranlagt. ;) Wir grübeln viel und setzen den Körper weiter unter Stress. Zu viel Adrenalin wird ausgeschüttet. Weitere Symptome entstehen.
Man fängt also an, sich selbst zu beobachten und bekommt Angst, was da los ist. Dadurch sagt man dem Körper unbewusst, dass etwas nicht stimmt und er uns beschützen soll. Und was macht er? Er löst immer öfter zu unserem Schutz die uralte biologische Angst-&Fluchtreaktion aus und wir fühlen noch mehr von den Gefühlen, die wir eigentlich weghaben wollten, da nun sehr viel Adrenalin freigesetzt wird. Am Anfang sind es leichtere Symptome, z.B. kalte Hände, Übelkeit, schneller Herzschlag. Beruhigt man sich nicht selbst, wächst sich das zu allen intensiven möglichen Angst-/Paniksymptomen aus, die wir kennen. Währenddessen ist es, als würde die körperliche Angstreaktion wie ein Brennglas wirken und die Probleme aufblähen bzw. einen ettliche weitere Angstgedanken denken lassen, die man sonst nicht hat.
(Diesen Kreislauf kann man leicht verständlich bei Claire Weekes, Jeff, Paul David, JustElliot und auch bei J. K.-Zinn (Stressreaktion) nochmal nachlesen. Sie haben mir damit wunderbar geholfen.)

Bitte beachtet nochmals, dass die Störung NICHT von dem Lebensstress selbst ausgelöst wird, sondern wie wir damit umgehen... Das fängt bei banalen Dingen an. Oft haben wir schon als Kinder gelernt, mit Angst anstatt Gelassenheit zu reagieren. Deshalb ist es immer gut, grundsätzlich daran zu arbeiten und eine Art Lebenssicherheit zu entwickeln.

Was hilft?

Ganz grundlegend: VERTRAUEN in das Leben, in den Körper und in die eigene Kraft. Das ist am Anfang und in den manifestierten Angstphasen fast undenkbar, aber genau das ist es, was mir gefehlt hat. Immer wieder das Wissen zu aktivieren, dass trotz der Angst alles in Ordnung ist und dass die Lebensumstände, so schlimm sie sich gerade anfühlen mögen, die Störung nicht auslösen. Ich muss die Lebensumstände bewältigen, aber die Angststörung obendrauf ist überflüssig.

Vorgehen im Akutfall einer Angstepisode

NICHTSTUN und NICHT ANGESTRENGT DARÜBER NACHDENKEN! Am besten auch keine Hilfsmaßnahmen wie Atemübungen. Damit sagt man sich weiterhin, dass etwas nicht stimmt und man es durch die Übung weg haben will. = Stress!
Bei einer entwickelten Angstreaktion muss man den Körper absolut in Ruhe lassen und darf nicht weiter darauf einsteigen. Es ist wahnsinnig verlockend, alle Gedanken, die gerade auftauchen, zu glauben und nach einer Lösung suchen zu wollen. Jedoch ist das genau das, was einen weiter rein treibt, weil man dem Gehirn wieder Gefahr vermittelt.
Man muss eine unumstößliche Selbstsicherheit entwickeln, dass eigentlich alles in Ordnung ist und dass man während eines Symptoms (Panik, Angst, verrückte Gedanken, schlechte Stimmung, Derealisation) nicht wie gebannt erstarrt und sich darauf fokussiert, sondern z.B. im Tagesablauf weiter macht. Das ist gerade am Anfang, bei starken Symptomen sehr schwierig, da der Körper uns weiter schützen will und wir auf alles nun noch mehr achten und nachforschen wollen, wo das herkommt.
Aber man wird auch schnell mit Angstfreiheit belohnt, wenn man es weiter unbeirrt durchzieht!

Das Gehirn erinnert sich ab und zu an die schlimmen erlebten Gefühle während der Angst-Erlebnisse und allein das kann schon wieder die Spirale in Gang setzen. Wir können durch unsere Gedanken und Vorstellungen Angst hervorrufen. Egal ob nun echt oder vorgestellt, das Gehirn und die Reaktion unterscheidet da nicht. Wieder haben wir Angst vor den Angstgefühlen! Auch dann gilt es, locker zu bleiben und es als das zu erkennen, was gerade vor sich geht. Mir hat es z.B. auch sehr geholfen, die damit verbundenen Gedanken nicht mehr ernst zu nehmen. ...ähnlich wie man es auch in der Meditation lernt. Meditation sollte man aber lieber nur in guten Phasen üben und ohne das Ziel, dass sie ein Hilfsmittel gegen die Angst ist.

Auch muss man immer wieder unterscheiden lernen, wann etwas normale Angst ist oder die Angststörung.
z.B. hatte ich vor kurzem die OP. Die Angst und Aufregung davor war völlig normal. Danach hatte ich Kreislaufprobleme und Schmerzen, die auch normal sind. Aber ich musste sehr aufpassen, mich nicht rein zu steigern und den Körper wieder zu beobachten. "Was wenn das nicht mehr weg geht; wenn mir zu viel Blut fehlt; die Ärzte einen Fehler gemacht haben; ich im Krankenhaus Panikattacken bekomme; was werden die von mir denken?" usw., usw. Das ist dann wieder die Grübelphase, mit der wir uns von der empfunden Angst ablenken anstatt sie einfach anzuschauen. Unter Stress kommen natürlich immer mehr dieser Gedanken. Hier hilft nur realistisches Wahrnehmen der eigenen Gedanken und Einschätzen, was davon nötig ist und was wieder übertrieben ist. Gleichzeitig lässt man ruhig die Angst und die Gedanken vorbeiziehen und macht dann wieder etwas anderes.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir die komplette biologische Erklärung, wie wir da rein rutschen, verstehen. Damit der Kopf im Akutfall Klarheit bekommt, obwohl er da kaum logisch denken kann.
Die GAS ist wirklich nur die Angst vor der Angst und Angst vor den eigenen Gefühlen, Gedanken und Körperempfindungen. Wir lassen es dadurch zum Kreislauf werden. Es ist fast absurd, vor einer Schutzreaktion des Körpers Angst zu haben und dadurch gleich noch mehr davon zu erzeugen. Das ist wirklich das Einzige, was diese Störung verursacht!
Lasst euch nicht von manchen Psychologen und Angstbüchern erzählen, dass es direkt aus der Kindheit, Vergangenheit, von einer Krankheit oder von Problemen ausgelöst wird. Man fängt sonst an, nach dem Grund zu suchen, fühlt sich wieder der Angst ausgeliefert und der Kreislauf wird immer schlimmer. Man interpretiert, dass es der Körper von alleine macht und bekommt Angst vor dem nicht steuerbaren Unbekannten.

Als ängstlicher Typ ist man sicher anfälliger bei Problemen zu grübeln und noch mehr Angst zu erzeugen, anstatt gelassen zu bleiben und zu vertrauen, dass sich die richtige Lösung zeigen wird. Als Grundlage tut man gut daran, stärker und selbstsicherer zu werden. Das kann man durch einen Coach, Psychologen, guten Freund, Religion oder Bücher lernen. Es ist aber nur die Grundlage.

Erst die falsch erlernte Reaktion auf die Alarmreaktion des Körpers setzt die vollständige Angst- und Panikstörung in Gang. --> nochmal: Angst vor der Angst! Wenn man weiß, was vor sich geht und man dem Körper wohlwollend zugesteht, dass er uns beschützen will, wir das aber gerade nicht nötig haben, lernt man mit sich selbst zu kommunizieren.
Wir beenden das Ganze, indem wir alles logisch nachvollziehen können und dann aufhören, uns damit zu beschäftigen, zu fokussieren, Angst davor zu haben und uns dann wieder mit Mut dem Leben und dem Außen zuwenden. Am Anfang wird es wieder kommen. Aber die Abstände werden größer, das Wissen wird bestätigt und man fühlt sich wieder sicher mit sich selbst.

Liebe Grüße.
Lumi
JustElliot

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Reply with quote  #2 
Hey Lumi, schöner Text. Und danke, dass du mich erwähnt hast.

Sehr interessant wie du genau das beschreibst, vor was ich auch früher Angst hatte. (Mich umzubringen, verrückt zu werden, depressiv zu werden)
Es ist immer das Gleiche für jeden, nur gering anders, aber es ist sau schwer sich selbst und vor allem Leute, die neu damit konfrontiert werden, davon zu überzeugen dass das Unsinn ist. Es braucht viel Verständnis, um Vertrauen zu entwickeln, um den Mist dann auf sich beruhen zu lassen.

Und vor allem dass man dem nicht entkommen kann, weil der Wunsch dem zu entkommen der Grund ist wieso es bleibt.
Ob man nun die Angst fürchtet wegen der erschreckenden Symptome
oder sie lediglich hasst. 
Völlig egal.

Z.B. lösen soziale Ängste keine generalisierte Angst aus, denn sie taucht nur dann auf, wenn man mit Menschen konfrontiert ist.

Grüße, Elly
Manaolana

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Reply with quote  #3 
Hallo Lumi,
Vielen Dank, dass du uns so ausführlich beschrieben hast was du gelernt hast. Das ist das Besondere an diesem Forum, jeder sagt was ihm geholfen hat und hilft damit dem nächsten. Ich hatte jetzt seit langen nochmal ein paar Wochen mit wenig nur wenig Angst und das habe ich größtenteils eurer Hilfe zu verdanken. Diese Woche habe ich mich tatsächlich nach 5 Jahren von meinem Freund getrennt, obwohl ich ihn noch liebe aber er kann es mir nicht zeigen und ich habe gemerkt, dass ich dadurch nur noch leide und mir das nicht gut tut. Dass es mir jetzt natürlich nicht gut geht und die Angst wieder gekommen ist war mir da schon klar, schließlich bin ich jetzt in der Zeit, vor der ich jahrelang Angst hatte.Aber ich versuche es hinzunehmen und mir zu sagen, dass es normal ist sich jetzt schlecht und ängstlich zu fühlen. Naja das nur nebenbei.
Ich werde weiter üben nicht ständig zu grübeln und den angstgedanken keine Bedeutung zu geben.
Eine Frage hätte ich noch an euch. Ich lese hier ja das ihr die selben Symptome habt wie ich wenn ihr Angst habt, z.B. das Grübeln, in sich reinhören, die Angst vor Depression etc. und natürlich die typischen Angstsymtome wie Herzrasen. Nachdem ich das gelesen habe, dass ihr das auch habt während einer Angstphase war ich etwas beruhig aber weil es von der Angst kommt. Aber mein Psychologe meinte letzte Woche ich hätten nicht nur eine Panikstörung sondern auch Depressionen, eine Zwangstörung (wegen dem Grünbeln) und wäre ein Hyperhonder. Da war ich erstmal geschockt. Was meint ihr dazu?
JustElliot

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Reply with quote  #4 

Hey Mana,

tut mir Leid zu hören, dass das mit deinem Freund nicht geklappt hat. Und ja es ist normal sich schlecht zu fühlen in der Situation. Aber im Endeffekt hast du dann auch das Leid los, das du mit ihm immer wieder erlebt hast. Ich bewundere deinen Mut das auch durchzuziehen.

Wegen dem was dein Psychologe meinte brauchste nicht besorgt sein. Er hat wahrscheinlich Recht, aber die Dinge hängen ganz eng zusammen. Es ist eigentlich fast unvermeidbar irgendwann Anzeichen einer Depression zu bekommen, wenn man eine Angststörung hat. Und wer sich ständig darüber sorgt, dass Panik einen umbringt, der reagiert natürlich auf innere Reize mit übermäßigem Sorgen und glaubt jedes Zucken wäre ein Zeichen für Gefahr. Jeff hat das auch beschrieben auf der Seite.

Wie gesagt, du bist während der Angst im Alarmmodus. Im Alarmmodus suchst du nach Gefahren = Zwangsgedanken, um den Konflikt zu lösen.
Du hast den Drang, die Gefahr zu finden und auszulöschen. Aber es gibt keine. Die Gefahr ist nur eine Illusion. Und solange du auf deine fehlgeleitete Angst hörst und immer weiter analysierst, anstatt aufzugeben und mal zu schauen, OB es diese Gefahr gibt... wirst du weiterhin dich selbst bekämpfen bzw. eine Sache, die es nicht gibt.

Man muss alle Pläne, die man hat, um Panik zu "besiegen" über Bord werfen, aufhören eine Lösung zu finden und einfach sich vor die Wölfe werfen. Erst wenn jeder Schutz weg ist wird man die Wahrheit sehen. Man muss durch das gehen, was man denkt wäre das Schlimmste. Das was einem angeblich umbringt und es dann herausfordern.

Alles hat eine simple logische Erklärung. Lass dich nicht erschrecken.
Habe gestern mit einer guten Freundin, einer 80 Jährigen Psychologin geredet. Sie meinte Angststörungen und Shizophrenie wären etwas komplet anderes. Für die Leute, die Angst haben verrückt zu werden.

Schau dir mal dieses Video an: 


Das mit der Maus ist eine ziemlich gute Erklärung was Depression ist... vielleicht hilft es ja.





JustElliot

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Reply with quote  #5 
Wow, das ist aber ganzschön groß geworden! [smile]
Manaolana

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Reply with quote  #6 
Danke Elli für das Video. Wirklich anschaulich erklärt. Was ich noch nicht ganz verstanden habe ist, dass du (und alle eigentlich) ja sagen man sollte hinter die Angst gucken und sehen das da gar nichts ist, sondern das alles nur eine Illisuon ist. Aber genau das macht man doch während man immer in sich reinhört, also zumindest bei mir ist das so, dass ich ständig in mich reinhören um zu schauen ob ich es nun endlich verstanden habe, dass da nichts ist. Und das in sich reinhören ist doch etwas, dass die Angst aufrecht erhält oder?

Ja das sagen mir im Moment viele, dass sie mich für mutig halten. Aber leide fühle ich mich so gar nicht. Ich würde es eigentlich jetzt sehr gerne auch schon wieder rückgängig machen, weil er mir so fehlt aber ich weiß das wäre auch nicht gut...
JustElliot

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Reply with quote  #7 

Oh Mann.. Jap, da kann ich mitfühlen. Ich liebe meinen auch sehr, auch wenn ich das Gefühl habe, dass es mir nicht gut tut und drücke mich jetzt schon seit mehr als einem halben Jahr davor, es endlich zu beenden. Und zwar endgültig.
Kann dir echt net sagen was man da machen soll, ich rätsel schon seit langem. Liebe ihn so sehr... Überlege mal eine Therapie anzufangen und hoffe es da klären zu können. Natürlich auch wegen meiner derzeitigen Depression. Angst fühle ich eigentlich keine mehr wie vorher. Könnte mich zumindest nicht erinnern, weil ich meine Gefühle nicht mehr akribisch beobachte.

Es macht keinen Sinn in sich hineinzuhorchen. Es geht genau um das Gegenteil! Und zwar: Aufgeben, aufhören "es" herauszufinden, vertrauen, denn...
Die Logik lässt sich in einen Satz zusammenfassen. Angst vor einer Gefahr, die nicht besteht.
Lass doch alles fallen, du kannst nur gewinnen.
Es gibt NICHTS, das du herausfinden kannst. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Ich habe so viel Zeit verschwendet es genauso zu tun wie du. Und habe bemerkt: Verdammt, es ist gar nichts mit mir los. Aber viel zu spät!! Nachdem ich mich 3 Jahre im Kreis gedreht habe.
Also habe ich mir gedacht ich teile meine Erfahrungen. Mach nicht den gleichen Fehler.

Ich habe es früher so gemacht: 
1. Auf einem Blatt aufgeschrieben: A. v. A. = unnötig. Kann nix passieren.
2. Das Problem damit als gelöst abstempeln und dann einfach vertrauen und es über mich ergehen lassen. All das vor dem ich Angst hatte herausfordern zu passieren. 

So wie ich es beschrieben hatte.

Manaolana

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Reply with quote  #8 
Mir tut es auch sehr leid für dich, dass dich deine Beziehung nicht glücklich macht. Du hattest ja mal erwähnt, dass du in einer on-off-Beziehung steckst. Ich kann aber sehr gut nachvollziehen warum du dennoch so sehr an der Beziehung festhältst. Ich könnte dir jetzt raten es zu beenden, aber das würde ich nicht tun. Meine Schwester hat immer zu mir gesagt, wenn du es nicht wirklich möchtest (dich trennen) dann bist du auch noch nicht bereit dazu. Ich habe es auf einmal gemerkt, dass ich nicht mehr so weiter machen möchte und da war ich bereit es zu beenden.Bei dir wird es bestimmt auch so sein.

Bist du wegen deiner Angststörung nicht in Therapie gewesen? Ich denke man sollte es mal probieren, wenn es dir nichts bringt dann kannst du ja immer noch abbrechen.
Ich muss ehrlich sagen, dass meine Therapie mir bis jetzt noch nichts gebracht hat. Da habe ich hier mehr Hilfe gefunden. Ich bewundere euch alle so, weil ich merke, dass ihr die Angst verstanden habt und sie euch deswegen nichts mehr anhaben kann. Ich werde Jeffs Buch nochmal lesen, ich habe leider noch nicht alles verstanden (zum Teil weil mein Englisch nicht das Beste ist). Mir geht es seit ein paar Tagen wieder schlechter und ich kann wieder nicht aufhören in mich hinein zu hören. Dabei habe ich letzte Woche noch gedacht ich hätte es jetzt auch verstanden und es könnte mit keine Angst mehr machen...
Irgendwann werde ich bestimmt auch soweit sein.

JustElliot

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Reply with quote  #9 
Ich sags dir ehrlich...
Bei mir hat es auf einmal aufgehört als ich keine Lust mehr hatte etwas zu ändern. Da hab ich unterbewusst die weiße Flagge gehisst. Es ging weg und irgendwann ist mir das aufgefallen dass es anders ist in dem Moment, aber ich konnte nicht sagen was ich getan habe.
Und wieso wusste ich es nicht? Weil ich nichts getan hatte.
Und darum geht's ja. Es geht darum alle Pläne gedanklich zu verbrennen und einfach nen Scheiß drauf zu geben wie es einem geht...
In diesem Moment wo ich schreibe weiß ich nicht ob ich noch Angst habe. Ich beobachte es nicht mehr. Es ist mir egal.
Dieser wonderbro hat's auf den Punkt gebracht. Angst fühlt sich manchmal an als würde man ertrinken. Dann lass es sein, lass dich ertrinken. Hört man auf dagegen anzukämpfen, dann wird man an der Oberfläche treiben. Das ist wichtig: Lass dich jedes mal ertrinken.
Denk daran wenn die Panik oder Angst kommt.

Ach und meine Beziehung hab ich beendet. Lohnt sich nicht sich kaputt zu machen. Dann lieber single und fröhlich und frei.

Noah Elkrief auf yt hat sehr gute Videos zu allen möglichen Dingen in Bezug auf alltägliche Hürden. Kann man sich anschauen, nur net zu besessen werden alle Probleme lösen zu wollen. Das meiste ist erst ein Problem, wenn man es zu einem macht. [smile]
Wollte das mal teilen.

Schlaf schön, falls du noch wach bist.
Manaolana

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Reply with quote  #10 
Das tut mir leid zu hören. Ich hoffe für dich du fühlst dich dann bald auch besser, wenn die Beziehung dich nicht mehr glücklich gemacht hat.
Was du sagst verstehe ich auch und mittlerweile kann ich die Angst auch vorbei fließen lassen, aber ich habe so Gedanken, die mich festhalten. Z.B kommt mir dann der Gedanke, du kannst heute Abend nicht essen gehen, nicht mit den Panikgefühlen. Hier kann ich ja nicht einfach aufgeben vor der Angst und sie nicht mehr bekämpfen, weil ich ja entscheiden muss ob ich jetzt gehe oder nicht. Kannst du dir vorstellen was ich meine? Ich hoffe ich gehe dir mit meinen Fragen nicht auf die Nerven, wenn doch dann sag es einfach, dann lass ich es sein [wink]
Lumi

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Reply with quote  #11 
Hallo! Hab gerade mal wieder rein gelesen und möchte kurz zu deinem letzten Beitrsg antworten.

In dem Fall bedeutet "nicht kämpfen" trotzdem essen zu gehen. Trotz der evtl. auftauchenden Panikgefühle dich auf das Essen und die Gespräche zu konzentrieren und dir immer wieder zu sagen, dass trotz der doofen Gefühle nix dahinter steckt, dem du Aufmerksamkeit geben müsstest. Egal welche Gedanken nun auftauchen mögen. Lass sie quatschen. Dein Alarmsystem verführt dich dazu, weiterhin auf die Gefahr zu lauern. Es will dich schützen. Nur hast du noch nicht bemerkt, dass es sich vor sich selbst schützen will. Angstgefühle machen dir komische Gefühle und Gedanken. Du denkst sowas wie: " oh nein; bitte nicht schon wieder; ich will das nicht haben" Das kann auch fast unbewusst und in Sekundenschnelle ablaufen. Und nun will dich dein Körper weiter beschützen. Es sendet wieder Angst und Adrenalin aus. Und du fühlst es wieder und willst das nicht haben. Und immer so weiter. Was für ein sinnloser Kreislauf auf den wir da reinfallen..
Im Grunde ist es ein Abtrainieren einer Gewohnheit. Du musst absolut selbstsicher werden mit deinem Wissen darüber. Ich kann dir auch Claire Weekes und Paul David empfehlen. Ist auch Englisch, aber es geht irgendwie mit Wörterbüchern und Co.
Die Symptome werden erstmal immer wieder auftauchen. Sieh es als Übung an, dich damit absichtlich nicht weiter zu beschäftigen! Umso öfter man das macht, umso weniger Aufmerksamkeit richtet man darauf. Andere Dinge werden wieder wichtiger. Man muss sich am Anfang wirklich zwingen. Wenn das Angst-Gefühl da ist, es erst gelassen wahrnehmen, dann aber weitermachen im Leben. Es kann immer sein, dass es wieder auftaucht. Manchmal hatte man es gar nicht mehr auf dem Schirm oder man hat wegen irgendwas anderen gerade Angst im Leben und man fühlt sich vielleicht irgendwie schlecht. Ab dem Punkt wo man das feststellt und es anstatt gelassen eher argwöhnisch beäugt, ruft man die Angst wieder hervor. Man darf keine Angst vor seinen eigenen Gefühlen entwickeln. Sie sind alle menschlich und verändern sich auch wieder. Akzeptanz dass sie auftauchen, ist ein guter Schritt. Das kann man auch super bei der Achtsamkeitsmeditation lernen. Wünsche eine gute Nacht!
jeff

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Reply with quote  #12 
Finden Sie Claire Weekes Übersetzungen auf Deutsch.
Manaolana

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Reply with quote  #13 
Hallo Zusammen,
Ich bin euch zu dankbar für eure Tips. Leider geht es mir seit gestern so schlecht wie noch nie. Ich hatte wohl doch noch gehofft mein Ex-Freund würde um mich kämpfen, wird er aber nicht. Danach ist dann erst wirklich realisiert, dass wirklich Ende ist. Dann hatte ich dazu die schlimmste Panikattacke, die ich je hatte und es geht mir von Stunde zu Stunde schlechter. Ich fühle mich wie innerlich taub und überhaupt nicht mehr anwesend. Mir macht gerade wirklich alles Angst und dazu habe ich so viele Gedanken im Kopf. Ich sage mir die ganzen Sachen, die ich hier gelernt habe aber es kommt nichts an. Auch meine Methode mir zu sagen, dass es okay ist sich jetzt so zu fühlen hilft gerade nicht. Ich weiß gerade nicht mehr weiter. Hat sich von euch auch schonnal jemand so gefühlt? Es ist als hätte ich seit über 24 Stunden eine Panikattacke [frown]
JustElliot

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Reply with quote  #14 
Leg dich mal schlafen. Und mach dir nicht so viele Gedanken um den Ex. Ist bei mir auch so gewesen, aber im Endeffekt bin ich froh, dass es schluss ist... damit hab ich auch den Stress mit ihm los. Gekämpft hat er auch nicht.

Das hört sich echt doof an, aber dir wird es besser gehen
Manaolana

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Reply with quote  #15 
Ich denke auch, dass es mir langfristig besser gehen wird, aber ich weiß jetzt gerade nicht wie ich hier wieder rauskomme. Alles fühlt sich so fremd an und der Drang es zu "reparieren" ist sehr hoch obwohl ich weiß das es falsch ist. Naja ich werde jetzt erstmal schlafen und hoffen das es morgen früh irgendwie besser ist
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